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Ist Hundezucht "gewerblich"?*  (von Jörg Rolle)
Teil 1 - Einleitung / Exkurs Umsatzsteuer

Die Lagotto-Vereine und auch der VDH schließen Mitgliedern aus, die "Hundehändler" sind oder "kommerziellen Hundehandel" betreiben. Meist wird dabei nicht normiert, was "Hundehändler" bzw. der "kommerzielle Hundehandel" sind, sondern es wird beschrieben, dass nicht als "Hundehändler" gilt, wer "lediglich aus Gründen der Liebhaberei (Hobby) die Zucht und/oder Ausbildung nach kynologischen Grundsätzen betreibt oder fördert" -VDH-Aufnahme-Ordnung (VDH-AO) 26.04.2015- und es wird festgelegt, dass "die tierschutzrechtliche Verpflichtung zur Beantragung einer Genehmigung als Hundezüchter nicht entgegensteht." -a.a.O.- Dabei ist die Aufzählung abschließend, so dass (m.E. typisch VDH) wohl jeder andere als "Hundehändler" gelten soll.

Dabei wird nicht definiert, was im Sinne der Vorschriften als "Liebhaberei" gelten soll, weshalb man den Begriff wohl nach seiner vorrangigen Auslegung verstehen muss. Fragt man eine vielgenutzte Suchmaschine im Internet nach "Liebhaberei", findet man zunächst nur Fundstellen, die den Begriff im Steuerrecht erläutern (oder es zumindest versuchen), so dass die Vereine und der VDH offenbar davon ausgehen, dass Hundehändler zumindest all diejenigen sind, deren Hundezucht aus steuerlicher Sicht keine Liebhaberei, sondern, und das ist die einizige Alternative, ein Gewerbetrieb ist.

Sucht man nun in einer vielgenutzten Steuerrechtsdatenbank nach dem Begriff "Liebhaberei" findet man den Begriff in 128 Verwaltungsvorschriften und 1131 Gerichtsentscheidungen. Es ist also in vielen Fällen strittig, ob Liebhaberei im steuerlichen Sinne vorliegt oder nicht.

Ich versuche mal die steuerlichen Ansichten darzulegen, wobe ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe.

Die einfachste Ansicht ist, dass Liebhaberei eine Tätigkeit, die ohne die Absicht der Erzielung von einkommensteuerbaren Einkünften durchgeführt wird, ist. Bezogen auf eine Tätigkeit, die als Gewerbetrieb angesehen werden könnte, fehlt es also an einer Gewinnerzielungsabsicht. Der Begriff "Absicht" bezeichnet also die Motivation, die schwierig erkennbar ist, weshalb man sich mit dieser Motivation weiter befassen muss.

Zunächst aber, ausgehend von der Ausgangsfrage (Ist Hundezucht "gewerblich"?"), ein kleiner Exkurs zur Umsatzsteuer. Hiernach ist einfach jeder der Hunde zum Verkauf züchtet und dies zumindest beabsichtigt nachhaltig (also nicht nur einmalig) zu tun, gewerblich tätig. Die Frage der Liebhaberei stellt sich hier nicht, denn hier gilt "jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht fehlt, Gewinn zu erzielen." -§ 2 Umsatzsteuergesetz (UStG)- als gewerblich. Das führt zu zwei Erkenntnissen: 1. Wer Hunde nicht nur einmalig verkauft, muss sich mit der Frage der Umsatzsteuer beschäftigen, insbesondere prüfen, ob er als Kleinunternehmer verschont bleibt oder der sog. Regelbesteuerung unterliegt. Dabei ist zu beachten, dass der umsatzsteuerliche Unternehmensbegriff alle beruflichen und gewerblichen Tätigkeiten eines Steuerpflichtigen umfasst. Wer also als z.B. als Selbständiger bereits umsatzsteuerpflichtig ist, kann sich nicht beim Hundeverkauf auf die Kleinnternehmerregelung berufen. 2. Wer beim Verkauf von Hunden pflichtgemäß oder freiwillig (bei Verzicht auf die Keinunternehmerregelung) Umsatzsteuer ausweist, ist noch lange kein "Hundehändler", da die Frage der "Liebhaberei" in diesem Zusammenhang ja nicht untersucht wird.

Nun zurück zur Motivation ... weiter im Teil 2




*Es handelt sich um einen Fachartikel. Der Verein bietet keine Rechts- oder Steuerberatung an.


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